24.02.2026

Strategisches Flugzeugbauteil mit allen Schikanen

Gemeinsame Entwicklung von bavius und MAPAL

In einem Gemeinschaftsprojekt haben MAPAL und der Maschinenhersteller bavius ein Musterbauteil für die Flugzeugindustrie entwickelt und gefertigt. Das rund dreimal ein Meter große Aluminiumbauteil ist an ein reales Rear Spar aus dem Flugzeugbau angelehnt, wurde darüber hinaus aber mit einer Vielzahl weiterer anspruchsvoller Applikationen gespickt. Neben der Komplexität beeindruckt die kurze Bearbeitungszeit von zehn Stunden, basierend auf der Produktivität der bavius AeroCell und den speziellen Werkzeugen für die Aluminiumbearbeitung von MAPAL.

Die am Projekt beteiligten Jens Ilg, Alexander Follenweider, Stefan Diem und Dominik Merz.
  • Die am Projekt beteiligten Jens Ilg, Alexander Follenweider, Stefan Diem und Dominik Merz.
  • Das Bild zeigt die beiden Techniker – Alexander Follenweider von MAPAL und Stefan Diem von bavius
  • Im Bild zu sehen ist eine besondere Vorrichtung zur Bearbeitung des Rear Spar.
  • Das Bild zeigt das Musterbauteil, in das etwa Taschen in unterschiedlicher Form gefräst wurden.
  • Das Bild zeigt das Aluminium-Musterbauteil mit den bis zu 125 mm tiefen, gefrästen Taschen.
  • Das Bild zeigt die von MAPAL zur Verfügung gestellten Werkzeuge für die Bearbeitung des Rear Spar.
  • Das Bild gewährt einen Blick in den Arbeitsraum der Maschine bavius AeroCell 160 | 400.
  • Eine am Projekt beteiligte Expertin von MAPAL
  • Von den MAPAL Experten wurde das Projekt zunächst programmiert und eine CAM-Simulation erstellt.
  • Der Vollhartmetall-Hochvolumenfräser OptiNill-Alu-Wave zum Fräsen der Taschen.
  • Der NeoMill-Alu-QBig für die Bearbeitung der Vorderseite des Bauteils.
  • Der modifizierte Eckfräser von MAPAL für die Feinbearbeitung der Taschen.
  • Die HPR-Mehrschneidenreibahle für die Passungsbohrung.
  • Bohrung in den Laschen mit einem Winkelkopf mit einem Vollhartmetall-Stufenbohrer
Die bavius technologie gmbh in Baienfurt hat sich auf die Hochgeschwindigkeits-Volumenzerspanung von Strukturbauteilen aus Aluminium spezialisiert, wie sie typischerweise im Bereich der Luftfahrt für Flügel und Rumpf benötigt werden. bavius (früher Handtmann A-Punkt Automation) agiert seit 2017 als eigenständiges, familiengeführtes Unternehmen und konzentriert sich auf zwei Produktlinien: Profil-Bearbeitungszentren (PBZ= und Horizontale Bearbeitungszentren (HBZ) mit der Baureihe AeroCell. Mit aktuell rund 120 Mitarbeitern generiert bavius mehr als 80 Prozent seines Umsatzes in der Luft- und Raumfahrtfahrtindustrie. Als OEM oder Zulieferer produzieren deren Kunden Bauteile für die kommerzielle und militärische Anwendungen. Auch Komponenten für Satelliten oder Raketen wie die Ariane 6 werden auf den Maschinen gefertigt. 
Das Bild zeigt das Musterbauteil, in das etwa Taschen in unterschiedlicher Form gefräst wurden.
Zu den Herausforderungen am Musterbauteil gehören vor allem Taschen in unterschiedlicher Form. Auch einige Besonderheiten wurden aufgenommen, wie etwa Laschen mit Bohrungen oder ein T-Stiffener (links oben im Bild).   ©MAPAL

Alles Made in Germany

Die meisten Maschinen von bavius stehen in Europa, weitere starke Märkte sind Nordamerika und Asien. In den USA unterhält der Maschinenhersteller eine eigene Niederlassung, produziert wird für den weltweiten Markt aber ausschließlich in Baienfurt in zwei klimatisierten Hallen auf einer Produktionsfläche von rund 10.000 Quadratmetern. 

Eine besondere Stärke der Fünf-Achs-Bearbeitungszentren von bavius ist deren außergewöhnliche Dynamik, die bei Hochgeschwindigkeitsbearbeitungen hohe Produktivität bietet. Um noch die letzte Performance aus den Maschinen herauszukitzeln, stellt bavius seine Fräsköpfe selbst her. Flaggschiff der Produktlinie ist die bavius AeroCell 160 I 400 mit einer Spindelleistung von 140 kW und maximal 30.000 Umdrehungen pro Minute. Dabei werden die 140 kW schon bei 18.000 Umdrehungen erreicht, die maximale Leistung steht also über einen großen Drehzahlbereich hinweg zur Verfügung. „Wenn wir etwas tun, wollen wir es exzellent machen, und mit unserer AeroCell 160 I 400 sind wir weltweit technologisch führend“, versichert Dominik Merz, Director Global Sales bei bavius.
 

Der modifizierte Eckfräser von MAPAL für die Feinbearbeitung der Taschen.
Ein modifizierter Eckfräser von MAPAL übernimmt die Feinarbeiten in den Taschen.   ©MAPAL

Über 90 Prozent Späne

Das Rear Spar wurde als Musterbauteil ausgewählt, weil es sehr gut auf die Maschine mit ihren 1,6 Metern Tischhöhe und 4 Metern Breite passt. Dieser hintere Holm ist ein typisches Strukturbauteil in den Flügeln. Zwischen Rear Spar und Front Spar verlaufen Rippen, die rechtwinklig zu den Holmen angeordnet sind. Die Strukturbauteile definieren die Geometrie der Tragfläche, die Außenhaut ist darauf aufgenietet. Das fertige Bauteil aus Flugzeugaluminium 7075 misst genau 2977 x 748 mm. Typisch für Flugzeugteile ist die flache Form mit 138 mm Höhe. Von gut einer Tonne Ausgangsgewicht bleiben nach der Zerspanung gerade noch 70,61 kg übrig – auch dieses Verhältnis ist im Aerospace-Bereich nicht unüblich. 

Schon allein aus rechtlichen Gründen konnten bavius und MAPAL für die Bearbeitung kein reales Bauteil eines Flugzeugherstellers verwenden. Das gab den Verantwortlichen aber gleichzeitig die Freiheit, das Design entsprechend für eine Vielzahl weiterer Applikationen zu nutzen. Damit ist das Demonstrationsobjekt weit komplexer als jedes reale Rear Spar und enthält auch Applikationen, die nicht unbedingt diesem Bauteil zuzuordnen sind, wohl aber an anderen Bauteilen verlangt werden können. „Ein Kunde, der sich mit Strukturbauteilen auskennt und unser Bauteil sieht, erkennt sich da wieder und findet Merkmale, die auch in den eigenen Bauteilen enthalten sind“, begründet Dominik Merz dieses Vorgehen. 
 

Der NeoMill-Alu-QBig für die Bearbeitung der Vorderseite des Bauteils.
Für eine zügige Bearbeitung der Vorderseite sorgte der MAPAL NeoMill-Alu-QBig mit 50 mm Durchmesser. Die leicht konvexe Form des Bauteils machte Fünf-Achs-Bearbeitung notwendig.   ©MAPAL
Die Bearbeitung fand in Baienfurt in zwei Aufspannungen statt. Setup 1 erfolgte in Niederzugspannung, im Setup 2 sorgte Vakuumtechnik für sicheren Halt. Die Vorderseite sieht auf den ersten Blick einfacher aus als sie tatsächlich ist. Die Fläche ist nicht eben, sondern biegt sich leicht konvex über einen Radius von 9,5 m. Damit kann man das Bauteil nicht einfach planfräsen, sondern muss Fünf-Achs-Bearbeitung nutzen. Zum Schruppen und Schlichten setzte MAPAL auf den NeoMill-Alu-QBig mit 50 mm Durchmesser und den OptiMill-Alu-Wave mit 25 mm Durchmesser. Das Oberflächenfinish führte ein PKD-Sonderfräser durch. 

Taschen in allen Formen

Besonders anspruchsvoll gestaltete sich die Bearbeitung der Rückseite, die in neun verschiedene Sektionen mit jeweils besonderen Applikationen untergliedert ist. Wie jedes Rear Spar weist das Musterbauteil viele Taschen auf, hier allerdings in allen erdenklichen Formen ausgestaltet: rechteckig, dreieckig, rund, offen, geschlossen, teilweise mit schrägem oder gewölbtem Boden. Die Stege sind sehr dünn, Wandungen überwiegend schräg. Die Taschen haben eine Tiefe von bis zu 137 mm. 
The team members involved in the project: Jens Ilg, Alexander Follenweider, Stefan Diem and Dominik Merz.
Proudly presenting the finished demonstration part in front of the AeroCell 160 | 400 (from left): Jens Ilg (Business Development, Aerospace & Composites MAPAL), Alexander Follenweider (Component Manager Aerospace & Composites MAPAL), Stefan Diem (Application Engineer bavius) and Dominik Merz (Director Global Sales bavius). The clamping setup can be seen in the foreground.   ©MAPAL

After pre-machining with the NeoMill-Alu-QBig, the pockets are cleared out by an OptiMill-Alu-Wave of various lengths. The semi-finishing is performed by a shoulder milling cutter modified specifically for aerospace applications. Thanks to its special geometry, the tool is particularly suitable for machining residual material in the corners as well as subsequent finish milling of the floors and walls. The special core rise ensures optimal stability during the machining process. To machine all the areas efficiently, MAPAL experts use different diameters and lengths of the modified shoulder milling cutter.

MAPAL also sets great store by efficiency during programming, as component manager Alexander Follenweider explains: “We work with a zigzag strategy in the parallel and counter feed to save on travel time. We thus constantly switch strategies during machining.” Despite the high machining speeds, the aluminium may not be damaged as it changes properties when overheated.
 

Shown in the image is a view into the machining area of the bavius AeroCell 160 | 400.
View into the working area of the bavius AeroCell 160 | 400. Here we see pockets being milled and other features machined in the second clamping setup.  ©MAPAL
At top speeds, the OptiMill-Alu-Wave achieves a feed of 12 m/min at a cutting depth of 48 mm at 29,000 rpm. The bigger NeoMill-Alu-QBig achieves a feed of 25 m/min at 10 mm cutting depth. Alone in the first 55 minutes of machining of the second clamping, 425 kg of aluminium are thus machined. At its peak, this results in a chip volume of more than 14 l/min. “The results we were able to achieve here are excellent – and we were also able to create very good surfaces in the process”, says Stefan Diem, application engineer at bavius.

Nothing is standard

The various pockets are not the only challenges on the component: The bores on the four lugs can only be reached via an angled head. Undercuts are required elsewhere. A T-stiffener, which is common for structural components and provides rigidity, is also found on the demonstration part and is machined with a special PCD tool. Bore and reaming operations are also called for in certain areas. “Nothing is normal on our component”, Merz says, referring to the fact that you will be hard pressed to find a right angle anywhere on the part. Such oblique constructions are however the norm in the aerospace industry.
A MAPAL expert involved in the project.
As a technology partner, MAPAL takes complete responsibility for the manufacturing process – from planning to production maturity. The tool design is tuned to the part and machining concept. Precise tool settings are a prerequisite for stable processes with high cutting data.   ©MAPAL
For the involved partners’ customer presentations and as an eyecatcher for trade fairs, five of these rear spars are produced in Baienfurt. Much to the satisfaction of all those involved, the machining of a part takes a total of almost precisely 10 hours. “A component like this can take between 20 and 30 hours on other machines”, Merz estimates. Structural parts are usually machined vertically on gantry machines with big tools. Cutter heads with diameters of 125 mm are normal. Feeds and speeds remain low. One disadvantage of this way of doing things is that chips are left behind which can cause scratches. Heat is also transferred to the component. Horizontal machining precludes this. Together with powerful tools that enable high cutting data, the dynamic AeroCell 160 | 400 opens entirely new possibilities thanks to its extreme acceleration.

Close collaboration

MAPAL and bavius have been profiting from their close cooperation for many years. While MAPAL was developing the NeoMill-Alu-QBig and OptiMill-Alu-Wave, they were able to test and further optimise prototypes of the new tools in Baienfurt. As a tool manufacturer, MAPAL doesn’t have equally powerful machines in Aalen. On the other hand, bavius depends on innovative tools, as Diem explains: “For our premium machines, we need top tools by suppliers like MAPAL offering high-volume milling cutters that take our machines to their limits. That doesn’t work with universal tools – we don’t gain any insights with them.” The partners demonstrated what the AeroCell 160 can do two years ago. During test operations with overloading, the solid-carbide milling cutter OptiMill-Alu-Wave achieved chip volumes of up to 20 l/min while full slot milling normal aluminium. The top results achieved here are every bit as impressive: 12 l/min for a component made of the AL 7075 with its higher tensile strength.
The HPR multi-blade reamer for the fitting bore.
An HPR multi-bladed reamers with the diameter 40 H7 machines the 47-mm-deep fitting bores. It is employed at a cutting speed of 120 m/min and a feed of 0.2 mm per turn.   ©MAPAL
“I really appreciate the collaboration with MAPAL because we speak openly and treat each other fairly, and because they always provide a solution”, Diem highlights. For Jens Ilg, Business Development Aerospace & Composites at MAPAL, the shared success also has a personal dimension: “I also get an optimal feel of our own products when I see them being used in real and demanding conditions. And then I can offer them to customers with corresponding recommendations.”

Portrait Ostertag-Mathias

Contact

Mathias Ostertag Public Relations mathias.ostertag@mapal.com Phone: +49 7361 585 3566


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