08.07.2026

Effiziente Werkzeuge und Prozesslösungen für den Ramp-up der Flugzeugproduktion

Interview mit Laurent Benezech und Frédéric Estrat über den Wachstumsmarkt Luftfahrtindustrie

Warum die Luftfahrtindustrie wie geschaffen ist für MAPAL und wie das Unternehmen sich als globaler Prozesspartner positioniert, erläutern Laurent Benezech (Global Head of Segment Management Aerospace & Composites) und Frédéric Estrat (Global Key Account Manager Airbus und Vertriebsleiter MAPAL France) im Interview. Die MAPAL Niederlassung in Frankreich hat dabei die Vorreiterrolle: Die dort gewonnenen Erfahrungen dienen als Proof of Concept für den weltweiten Rollout der Strategie.

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„MAPAL ist ein echter Technologiepartner, der umfassend mit dem Kunden zusammenarbeitet“, sagt Laurent Benezech, Global Head of Segment Management Aerospace & Composites.  ©MAPAL

Wo liegen die strategischen Schwerpunkte von MAPAL in der Luftfahrtindustrie?

Laurent Benezech: MAPAL hat vertriebsseitig noch immer einen großen Fokus auf der Automobilindustrie, baut aber sein Engagement in der Luftfahrt global mit Nachdruck aus. Die Strategie basiert auf prozessbasierten Lösungen für die Endmontage (Final Assembly) und die Teilefertigung (Part Machining). Die Global Organisation for Assembly ist für die Aktivitäten im Bereich Endmontage verantwortlich, in der Teilefertigung arbeiten wir mit Generic Components für musterbasierte Referenzprozesse. MAPAL France war dabei innerhalb der Unternehmensgruppe Vorreiter für die Luftfahrtindustrie. Die dort gewonnenen Erfahrungen und Strukturen skalieren wir gruppenweit.

Was ist das Besondere am französischen Beispiel?

Frédéric Estrat: Sicherlich unsere zwanzigjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Flugzeugindustrie, unter anderem als Rank 1 Zulieferer von Airbus. Zur Einordnung: In Frankreich machen wir heute fast die Hälfte unseres Umsatzes im Bereich Aerospace. Hier ist der Pilotmarkt für die Endmontagetätigkeiten: Wir bündeln hier Test‑ und Fertigungskapazitäten; die entwickelten Methoden und Standards übertragen wir in andere Regionen. Das schafft Geschwindigkeit bei der Validierung und Planbarkeit beim Rollout.

Wie schneiden die Kompetenzen von MAPAL in der Luftfahrt im Vergleich zu Automotive ab? Wie schnell können Sie ein neues Werkzeug bereitstellen?

Benezech: Wir sehen uns hier auf einem ebenso führenden Niveau. Wir bieten unseren Kunden einen Komplettprozess inklusive der vollständigen Werkzeugauslegung an. Die Werkzeuge produzieren wir selbst und verfügen dezentral in den wichtigsten Märkten über die Kapazitäten und Fähigkeiten, diese innerhalb kürzester Zeit nachzuschleifen oder zu optimieren. Die Luftfahrtindustrie erwartet schnelle Reaktionszeiten in Bezug auf Testwerkzeuge und schnelle Optimierungszyklen. Mit unserem Setup konnten wir die Vorlaufzeiten für Testwerkzeuge auf zwei Wochen für unbeschichtete Versionen und drei Wochen für beschichtete Werkzeuge reduzieren. Die Tests finden dann entweder direkt beim Kunden oder in unserem Testzentrum hier in Frankreich statt. Auf der anderen Seite dauert die klassische Validierung recht lange, bevor die Produkte endgültig in die Produktion übernommen werden. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Automobilindustrie, wo Prozessoptimierungen direkt in die laufende Fertigung übernommen werden. Wir haben unsere Organisation dementsprechend ausgerichtet: schnelle Bereitstellung von Testwerkzeugen kombiniert mit der Fähigkeit, Validierungen weltweit zu begleiten.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Markts im Allgemeinen?

Estrat: Wenn man vom Markt für Aerospace redet, sind meist die Anzahl verkaufter Flugzeuge oder die Passagierzahlen gemeint. Der potenzielle Markt für Zerspanungswerkzeuge unterscheidet sich davon deutlich. Zum Vergleich: Betrachtet man das Wachstum im Automobilmarkt, dann hat man eine gute Vorstellung davon, wie sich der Werkzeugverbrauch entwickelt. In der Luftfahrtindustrie ist das anders. 2025 wurde nicht mehr Geld für Werkzeuge ausgegeben als im Vorjahr, obwohl mehr Flugzeuge gebaut wurden. Ein Grund dafür ist, dass die Branche durch Prozessoptimierung und vermehrtes Nachschleifen von Werkzeugen Kosteneinsparpotenziale realisiert. Die Kosten für eine Bohrung können schließlich mit einem nachgeschliffenen Werkzeug um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Wir beobachten auch eine Tendenz, dass bisher manuell ausgeführte Tätigkeiten jetzt mit Advanced Drilling Units (ADU) oder Robotern automatisiert erledigt werden. Die Industrialisierung der Produktion ist ein großer Hebel, um die Produktionsmengen weiter steigern zu können. Angestrebt werden aktuell 10 Prozent mehr Flugzeuge als im vergangenen Jahr, was wirklich eine ganze Menge ist. Es wird erwartet, dass bis 2040 doppelt so viele Flugzeuge fliegen wie heute.

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„Die Industrie findet bei keinem anderen Anbieter die Lösungsqualität, die MAPAL bietet“, sagt Frédéric Estrat, Global Key Account Manager Airbus und Vertriebsleiter MAPAL France.  ©MAPAL

Was bedeutet das für MAPAL?

Benezech: Um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, muss die Luftfahrtindustrie in neue Maschinen und Produktionslinien investieren. Das gilt auch für die Modernisierung vorhandener Fertigungseinrichtungen. Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an Werkzeugen ansteigen wird, jedoch nicht proportional zur Flugzeugproduktion. Die Werkzeuge müssen aber technisch höher entwickelt sein. Damit entsteht zusätzliches Potenzial für MAPAL – nicht nur als Werkzeughersteller, sondern als integrierter Technologiepartner, der mit Prozessanalyse, Auslegung, Validierung und Serienüberführung messbar Produktivität und Qualität steigert.

Estrat: In der Vergangenheit hatten die Flugzeugbauer vor allem auf den Preis eines Werkzeugs geachtet, was teilweise zu enorm hohen Stückkosten führte. Mit dem Einsatz unserer modernen Werkzeugtechnologie haben wir diesen Preis um den Faktor zehn reduziert. Vor allem im Bereich der Montage ist die Industrie von Low Cost Werkzeugen abgerückt. Inzwischen stehen Produktivität und Qualität im Vordergrund. Das ist vor allem wichtig bei Applikationen, bei denen Stack-Materialien mit Verbünden aus CFK, Titan und Aluminium in einem Arbeitsgang bearbeitet werden. Derzeit könnten die großen Hersteller mehr Flugzeuge verkaufen als sie aktuell produzieren können. Sowohl in der Montage als auch bei der Teilefertigung besteht daher ein Bedarf an Werkzeugen, die höhere Produktivität ermöglichen und die zunehmende Industrialisierung der Montage- und Teilefertigungsprozesse technologisch mitgehen können. Die Bereitstellung der richtigen Lösungen für diese Voraussetzungen ist eine Kernkompetenz von MAPAL.

Welcher der beiden Bereiche ist für MAPAL wichtiger: Final Assembly oder Part Machining?

Benezech: Für MAPAL sind die Montage und die Teilefertigung von gleich großer Bedeutung, auch wenn die Voraussetzungen unterschiedlich sind. In der Montage hat MAPAL in den vergangenen Jahren sehr viel Know-how aufgebaut und ist damit bei den großen Herstellern sehr erfolgreich, insbesondere in Frankreich. Die entwickelten technischen Lösungen und das Know-how transferieren wir daher über die Global Organisation for Assembly konsequent auf andere Märkte. In der Teilefertigung stützen wir uns unter anderem auf Erfahrungen aus Deutschland und Großbritannien. Im Fokus stehen prozessstabile, reproduzierbare Zerspanungslösungen für Titan, Aluminium und Composites – ausgelegt auf Industrialisierung und Serienstabilität.

Wie erfüllt MAPAL weltweit die Ansprüche der jeweiligen Kunden?

Benezech: Wichtig ist, dass wir uns jeweils an den lokalen Kontext anpassen. Wir erfassen die Anforderungen der Kunden direkt vor Ort und hören genau zu, was erwartet wird. Es ist ja seit jeher wesentlicher Bestandteil der MAPAL DNA, nahe beim Kunden zu sein und die Werkzeuglösungen von den Kundenbedürfnissen her maßzuschneidern. Wir verfügen über die Fähigkeiten und die Kapazitäten, alle Ansprüche zu erfüllen - vom einfachen Werkzeug bis zur Auslegung komplexer Prozesse. Damit das weltweit reproduzierbar gelingt, setzen wir auf drei Bausteine:

1.      
In der Teilefertigung stehen für die Marktbearbeitung unsere strategischen Generic Components zur Verfügung. Sie bilden alle relevanten Zerspanungsschritte ab, dienen als Referenzprozesse, die schnell und kundenspezifisch adaptiert werden können und international Planungssicherheit schaffen. Wir arbeiten zudem eng mit Maschinenherstellern zusammen, um Werkzeug‑ und Maschinenleistung optimal aufeinander abzustimmen. Ziel ist es, neue Leistungsgrenzen in der Zerspanung - insbesondere bei Aluminium‑Strukturbauteilen - unter Serienbedingungen zu validieren und diese Erkenntnisse weltweit verfügbar zu machen.

2.      
Für die Endmontage bündelt die Global Organisation for Assembly zentral Angebotsabwicklung, Entwicklung und Testing und stellt über lokale Prozessexperten schnelle Reaktionen, Prozessanpassung, Validierungsbegleitung und die Überführung in die Serie sicher. Zur Absicherung unserer Endmontageprozesse betreiben wir in Frankreich eine moderne Test‑ und Analyseumgebung, die die Erkenntnisse weltweit zur Verfügung stellt.

3.      
Für eine weltweit homogene Marktbearbeitung sind spezialisierte Vertriebsexperten für Aerospace vor Ort entscheidend, die im technischen Support vernetzt zusammenarbeiten. Dadurch profitieren unsere Kunden von kurzen Reaktionszeiten, konsistenter Prozessauslegung und einer schnellen Überführung validierter Lösungen in die Serie – unabhängig vom jeweiligen Standort.

Haben Sie solche Spezialisten bereits überall?

Estrat: In den strategisch wichtigsten Märkten ja. In Deutschland, Frankreich, Polen, Italien, Spanien, Belgien, UK, USA, China und Marokko sind unsere Teams gut aufgestellt und erzeugen Wachstum. Aber natürlich arbeiten wir eng mit allen MAPAL Tochtergesellschaften und Vertriebsvertretungen weltweit zusammen.

Stehen für MAPAL die großen Flugzeughersteller besonders im Fokus oder auch die kleineren und die Zulieferer für die Branche?

Benezech: Mit unserem globalen Vertrieb und unserer technischen Kompetenz sind wir gut aufgestellt, um die Anforderungen der großen OEMs und Tier 1 & Tier 2 Zulieferer zu erfüllen, was auch weiterhin unser oberstes Ziel bleiben wird. Gleichzeitig unterstützen wir selbstverständlich die Zulieferer entlang der Wertschöpfungskette. Unsere agile Organisation ermöglicht es, uns leicht an die unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden anzupassen.

Sie hatten es erwähnt, die Flugzeugbranche tendiert dazu, laufende Prozesse nicht mehr zu verändern. Wie kann man dennoch in diesen Markt Neuheiten einbringen?

Estrat: Heute ist die Branche nicht mehr ganz so konservativ wie sie einmal war, die Prozesse werden durchaus in einem gewissen Rahmen justiert. Die Hersteller sind dazu gezwungen, wenn sie ihre ehrgeizigen Wachstumsziele erreichen wollen. Dabei geht es nicht nur um den Austausch von Zerspanungswerkzeugen, sondern tatsächlich um komplett neu aufgesetzte Prozesse, für die auch neue Maschinen beziehungsweise unter Umständen Roboter angeschafft werden. Dabei sind zwangsläufig auch neue und vor allem leistungsfähigere Werkzeuge gefragt, darunter auch solche, die mehrere Bearbeitungsschritte in einem Arbeitsgang ausführen. Produktivität ist inzwischen ein wichtigeres Kriterium als der Preis. Das eröffnet MAPAL große Chancen.

Warum sollten Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie mit MAPAL zusammenarbeiten? Was hebt MAPAL von der Konkurrenz ab?

Benezech: MAPAL ist ein echter Technologiepartner, der umfassend mit dem Kunden zusammenarbeitet. Wir decken alle Schritte von der Kundenanfrage bis zur Implementierung ab und richten die Lösung konsequent an den Zielkriterien der Kunden aus. So sind wir zum strategischen Lieferanten verschiedener Hersteller geworden.

Estrat: Die Industrie findet bei keinem anderen Anbieter die Lösungsqualität, die MAPAL bietet. Wir decken ein sehr breites Spektrum ab, in der Endmontage und in der Teilefertigung. In beiden Bereichen unterstützen wir unterschiedliche Bearbeitungskonzepte: Von der Fertigung auf CNC-Maschinen über manuelle und halbautomatische Prozesse bis hin zu ADU- und Roboterbearbeitungen. Unsere Stärke liegt darin, diese Technologien mit maßgeschneiderten Werkzeug- und Prozesslösungen zu verbinden, und dieses Leistungsangebot weltweit zur Verfügung zu stellen.

Danke für das Gespräch.


Portrait MAPAL Redakteur Ostertag Mathias

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Mathias Ostertag Public Relations mathias.ostertag@mapal.com Tel.: +49 7361 585 3566


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